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Selbstliebe lernen – wo fange ich am besten an?

Die Sängerin Whitney Houston hat wahre Selbstliebe einmal als „die größte Liebe von allen“ bezeichnet. Hier erfährst Du, wie Du Dir mehr davon in Dein Leben holen kannst.

Was bedeutet Selbstliebe?

Fangen wir mit einem Missverständnis an. Viele Menschen glauben: „Ich kann mich nur selbst lieben, wenn ich perfekt bin. Wenn ich meinem Idealbild entspreche.“ Vielleicht kennst Du diesen Gedanken ja von Dir selbst. Vielleicht glaubst auch Du, dass Du Dir Anerkennung und Liebe erst verdienen musst. Doch genau das bedeutet Selbstliebe nicht. Selbstliebe heißt: Sich selbst annehmen zu können mit allen Stärken und Schwächen. Respekt vor sich selbst zu haben wie vor einer guten Freundin. Über sich selbst mit derselben Lieben nachdenken zu können wie über das eigene Kind. Sich selbst zu vertrauen. Und zu wissen: „Ich bin etwas wert – auch dann, wenn es gerade nicht so gut läuft oder wenn ich einen Fehler gemacht habe.“

Selbstliebe lernen

Manche Menschen sind wahre Naturtalente, wenn es um Selbstliebe geht. Sie haben schon als Kind gelernt: Andere verbringen gerne Zeit mit mir. Ich werde geliebt um meiner selbst willen. Die meisten von uns haben in ihrer Kindheit aber etwas anderes erfahren. Wir haben die Liebe und Aufmerksamkeit unserer Eltern nur bekommen, wenn wir artig waren. Oder wenn wir gute Schulnoten bekommen haben. Unsere Eltern haben ihr Bestes gegeben. Sie wussten es nicht besser. Und doch haben sie uns unbewusst beigebracht: „Anerkennung bekommst Du nur, wenn Du Dich anstrengst.“ Doch es gibt auch eine gute Nachricht: Selbstliebe können wir lernen. In jedem Alter.

Macht Selbstliebe egoistisch?

Nein. Denn Egoisten leben auf Kosten anderer. Selbstliebe tut genau das Gegenteil. Wer sich selbst akzeptiert und es gut mit sich meint, will auch, dass es seinen Mitmenschen gut geht. Denn der Mensch ist ein Herdentier. Wenn unser Umfeld aufblüht, dann tun wir das auch. Das Wunderbare an echter Selbstliebe: Wenn wir uns selbst akzeptieren und für uns einstehen, dann wirkt das auch ansteckend auf die Menschen um uns her. Wir erschaffen also eine Aufwärtsspirale, die auch wieder positiv auf uns zurückwirkt. Von Deiner Selbstliebe haben also alle etwas.

Selbstliebe: Sieben Übungen, die Dich weiterbringen

Selbstliebe ist keine Zauberei. Wir können sie mit gezielten Übungen zurück in unser Leben holen. Wie überall in der Psychologie gilt auch hier: Nichts funktioniert bei allen Menschen gleich gut. Am besten, Du probierst die folgenden Übungen einfach aus. Du wirst selbst am besten merken, was Dir guttut und was Dich eher kalt lässt. Du brauchst für diese Übungen der Selbstliebe keine Therapie, noch nicht einmal Hilfe von anderen Menschen. Du selbst bist genug. Vielleicht hast Du ja Lust, gleich heute mit einer der Übungen anzufangen. Wähle einfach etwas, das Dir am einfachsten erscheint – und bei dem Dein Herz Dir sagt: „Das könnte genau das Richtige für mich sein.“

1. Die innere Kritikerin besänftigen

Sicher kennst auch Du diese Stimme in Deinem Kopf, die Dich hart kritisiert und klein macht. Deine „innere Kritikerin“ spricht in einem Ton mit Dir, der viel härter ist als alles, was Du Deinen Mitmenschen zumutest. Übung: Stell Dir Deine innere Kritikerin als konkreten Menschen vor. Wenn sie Dich wieder niedermacht, dann kannst Du mit Deiner inneren Stimme sagen: „Ich verstehe, was Du meinst. Aber ich möchte, dass Du mich in Zukunft mit mehr Respekt behandelst.“

2. Die innere Mutmacherin aktivieren

Bei Kummer kannst Du Deine „innere Mutmacherin“ aktivieren. So geht es: Wenn Dich etwas bedrückt, schreib kurz auf, was Du erlebst hast und was daran schwer für Dich ist. Schlafe eine Nacht darüber. Am nächsten Tag liest Du Deine Notizen, als hätte eine gute Freundin sie aufgeschrieben. Was würdest Du ihr raten? Diese Übung hilft Dir, einen gütigen Blick auf Dich selbst zu werfen.

3. Den Blick in den Spiegel wagen

Diese Übung dauert nur eine Minute. Stell Dich bitte vor einen Spiegel und schau Deinem Spiegelbild in die Augen. Tu so, als würdest Du die Frau im Spiegel gerade erst kennenlernen. Sei neugierig. Versuche, Deinem Spiegelbild ein Lächeln zu schenken. Den meisten Menschen tut diese Übung sehr gut. Sie sind danach mit einem Gefühl von Wärme ganz bei sich selbst. Vielleicht klappt das auch bei Dir?

4. Selbstmitgefühl: Mach Dich zu Deiner besten Freundin

Wenn wir nur für uns selbst etwas kochen, tun wir das häufig lieblos. Hauptsache satt! Stell dir vor, eine gute Freundin käme zum Essen. Was würdest Du verändern? Würdest Du den Tisch festlicher decken? Dir etwas Besonders anziehen? Wie wäre es, Dich heute selbst zu Deiner besten Freundin zu machen – und Dich mit genau dem Respekt zu behandeln, den Du guten Freundin ganz selbstverständlich gibst?

5. Verabrede Dich mit Dir selbst

Du kennst sicher ein paar Dinge, die Dir guttun. Vielleicht ist der Sport, ein Gang in die Sauna oder ein leckeres Essen. Folgende Übung hilft Dir, davon mehr in Dein Leben zu bekommen und Deine Selbstliebe zu aktivieren: Nimm Deinen Kalender zur Hand – und verabrede Dich mit Dir selbst. Finde drei konkrete Termine für das, was Dir guttut und trage die Termine in Deinen Kalender. Wenn Du das zur guten Gewohnheit machst, steigerst Du automatisch Deine Selbstliebe.

6. Deinem Körper zuhören

Diese Übung dauert ebenfalls nur eine Minute. Setz Dich bitte bequem auf einen Stuhl, schließe die Augen und atme ganz ruhig ein und aus. Was fühlst Du in Deinen Füßen? Deinen Beinen? Deinem Becken? Deinem Bauch und Oberkörper? Deinen Schultern und Armen? Deinem Nacken, Deinem Kopf? Wenn Du irgendwo Druck oder Enge fühlst, konzentriere Dich auf diese Empfindung. Und dann sagt: „Es ist in Ordnung, dass ich das fühle.“ Atme dabei ruhig weiter. Diese Übung verbindet Dich mit Deinem Körper. Du schenkst ihm Zeit – und erhöhst damit auch Deine Selbstliebe.

7. Gefühle akzeptieren – auch die „schlechten“

Wenn Du schlechte Gefühle hast, wenn Du also traurig, wütend oder genervt bist, dann kannst Du kurz die Augen schließen und folgende Frage beantworten: „Wo spüre ich diese Emotion in meinem Körper?“ Sitzt sie in der Brust? Im Magen? Lastet sie auf den Schultern? Atme ein paar Mal tief ein und aus und spüre bewusst, wo das „schlechte“ Gefühl sitzt. Und dann kannst Du sagen: „Ich akzeptiere dieses Gefühl.“ Diese Übung zeigt Dir: Schlechte Gefühle gehören zum Leben. Es ist in Ordnung, sie zu fühlen. Das hilft Dir, solche Gefühle anzunehmen – und damit auch Dich selbst.

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