Mehr Informationen

Hochsensibilität – was tun, wenn alles zu viel ist?

Bist Du hochsensibel? Wir geben Dir Tipps um die Kennzeichen zu erkennen, und wie du als hochsensibel Person entspannter leben kannst - Tilda

Dir geht ganz gewöhnliches Geschirrklappern auf die Nerven. Das Blinklicht am Wecker macht Dich verrückt. Den Geruch von Raumspray erträgst Du überhaupt nicht. Und wenn im Bus neben Dir jemand mit dem Fuß wippt, könntest Du ausrasten. Trifft alles auf Dich zu? Dann kann es sein, dass Du hochsensibel durchs Leben gehst. Bei zwei von zehn Menschen ist das der Fall. Hochsensibilität ist keine Krankheit, aber sie kann eine Bürde sein. Oder auch eine besondere Gabe, wenn Du mit ihr umzugehen weißt. Hier findest Du ein paar wichtige Tipps dazu:

Was ist Hochsensibilität überhaupt?

Wir alle haben einen unbewussten Wahrnehmungsfilter in unserem Gehirn. Seine Aufgabe ist es, die Eindrücke zu sortieren, die rund um die Uhr auf uns einprasseln. Nur, was für uns im Leben gerade wichtig ist, schafft es durch diesen Filter und wird an unser Bewusstsein weitergeleitet. Unwichtige Dinge wie Straßengeräusche oder das Brummen unseres Kühlschranks lässt der Filter außen vor. So sorgt er dafür, dass wir nicht von zu vielen Reizen gleichzeitig überfordert werden.

Hochsensible Menschen haben zwar auch diesen Wahrnehmungsfilter. Bei ihnen lässt er allerdings viel mehr Eindrücke ins Bewusstsein vor. Das heißt: Als hochsensibler Mensch nimmst Du Deine Umwelt in viel mehr Details und Facetten wahr als andere und verarbeitest diese Eindrücke auch viel länger und tiefer. Du leidest mehr unter dem Abschied von einem geliebten Menschen. Du kannst Dich aber auch viel mehr übers Wiedersehen freuen. Du genießt Musik und Kunst häufig intensiver als andere und bist selbst besonders kreativ. Dieses superintensive Leben ist natürlich erschöpfend. Hochsensible Menschen ziehen sie sich deshalb gern aus der Welt zurück. Statt auf lauten Partys zu tanzen, lesen sie lieber zu Hause auf dem Sofa ein Buch. Statt am vollen Strand zu liegen, wandern sie allein durch die Berge.

Als hochsensibler Mensch bist Du aber nicht nur sehr empfindlich, wenn es um Dich selbst geht. Du bist meist auch besonders feinfühlig im Umgang mit anderen Menschen. Du kannst auf Anhieb ihre Stimmungen lesen und bist besonders gut darin, Dich in sie hineinzuversetzen. Verständnis und Empathie gehören zu Deinen besonderen Stärken. Stärken übrigens, die Du nicht mit der Zeit entwickelt hast. Deine Feinfühligkeit ist Dir angeboren.

Du siehst an der Vielfalt der Symptome: Hochsensibilität ist nicht nur anstrengend. Sie ist auch ein Geschenk. Wer hochsensibel ist, wird nicht nur ständig von Eindrücken bombardiert. Er kann sich auch glücklich schätzen, ein besonders kreativer und einfühlsamer Mensch zu sein.

Wie erkennst Du Hochsensibilität? Ein kleiner Test

Bist Du nur ab und zu vom Leben überfordert wie wir alle oder bist Du vielleicht hochsensibel? Diese Frage ist gar nicht so leicht zu beantworten. Aber sie hilft Dir dabei, neue Prioritäten in Deinem Leben zu setzen, die Dich entspannter und zufriedener machen können. Beantworte bitte die folgenden Fragen – so ehrlich wie möglich. Je öfter Du mit „Ja“ antwortest, umso wahrscheinlicher ist Deine Hochsensibilität:

  • Neigst Du zu Tagträumen oder ausgeklügelten Gedankenspielen?
  • Nimmst Du Gefühle sehr stark wahr von himmelhoch jauchzend bis zu Tode betrübt?
  • Fühlst du Dich sehr häufig vom Leben erschöpft und überfordert?
  • Nimmst Du Deine Umwelt ständig in vielen Details wahr?
  • Bist Du leicht gestresst und fühlst Dich unter Leistungsdruck?
  • Würdest Du Dein Leben am liebsten unabhängig von anderen gestalten?
  • Hast Du ein gutes Einfühlungsvermögen in andere?
  • Klingen Dinge, die Du erlebst, lange in Dir nach?
  • Neigst Du zum Perfektionismus?
  • Hast Du eine starkes Bauchgefühl, was für Dich richtig und falsch ist?
  • Erlebst Du Dinge wie Kunst und Musik besonders intensiv?
  • Hast Du ein ausgeprägtes Harmoniebedürfnis?
  • Lässt Du Dich leicht von der Stimmung anderer Menschen anstecken?

Tipps, wie Du mit Deiner Hochsensibilität gut leben kannst

Hochsensible Menschen brauchen vor allem eins: ab und zu eine Auszeit vom Leben. Am besten solltest Du diese Ruhepausen regelmäßig in Deine Tagesroutine einbauen. Eine Stunde für Dich allein jeden Abend und ein Nachmittag am Wochenende ohne jede Verpflichtung. Zeit, in der Du spazieren gehst oder auch nur allein fernsiehst. Egal, wie Du Deine stille Zeit organisierst, es ist ganz wichtig, dass Du zu diesem Bedürfnis stehst. Erkläre Deiner Familie und Deinen Freunden, dass Du manchmal Zeit zum Auftanken brauchst und nicht für sie da sein kannst. Das erfordert zu Anfang vielleicht etwas Mut. Hier drei Dinge, die Dir dabei helfen:

Akzeptiere Dich so, wie Du bist

Das Leben ohne Filter ist nicht leicht. Noch dazu, wenn Außenstehende Dich vielleicht für überspannt oder ungesellig halten. Wenn sie genervt oder ärgerlich auf Deine „Anstellerei“ reagieren.  Hochsensible Menschen finden es darum oft schwierig, ihre Bedürfnisse durchzusetzen. Sie überfordern sich bewusst, um andere nicht zu enttäuschen. Dabei leiden sie dann stillschweigend und werden nur noch erschöpfter. Der Weg aus diesem Teufelskreis? Akzeptiere, dass Du andere Bedürfnisse hast als die meisten Menschen um Dich herum. Dass Du mehr Ruhe brauchst und Dich ab und zu zurückziehen musst. Wenn Du Dir dazu die Erlaubnis gibst, bekommst Du sie auch viel leichter von anderen.

Lerne, Dich zu entspannen

Achtsamkeitsübungen und Meditation helfen Dir dabei, zu entspannen und Dich auf das Wesentliche zu konzentrieren: Dich selbst. Je öfter Du übst, desto leichter fällt es Dir, die laute, bunte Welt außenvor zu lassen. Gleichzeitig lernst Du, besser mit Stress umzugehen. Du fühlst Dich nicht mehr so schnell überfordert und kannst mit dem täglichen Feuerwerk an Eindrücken gelassener umgehen.

Finde die richtige Balance für Dich

Umgekehrt gilt: Je mehr Du stressige Situationen umgehst, umso sensibler reagierst Du, wenn sie sich nicht vermeiden lassen. Darum ist es wichtig, eine gesunde Balance zwischen Ruhe und Herausforderungen zu finden. Ohne Dich dabei zu überfordern. Nimm Dir  Zeit, Deine Woche ganz bewusst zu planen: Heute Abend eine Geburtstagsfeier und morgen ein langer Spaziergang. Am Wochenende Einkaufsrunde und dann stille Zeit zu Hause. Je besser du dieses Gleichgewicht hinbekommst, desto gelassener kannst Du auch anstrengende Situationen meistern.

Weiterlesen
Krisen meistern
·
5
Minuten Lesezeit
Wie wir am besten Trennungsschmerzen verarbeiten
Mehr lesen