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Emotionale Abhängigkeit – wie Du es schaffst wieder auf eigenen Beinen zu stehen

Fast alle sehnen sich nach einer harmonischen Beziehung, nach tiefer, echter Liebe. Manchmal wird daraus aber eine emotionale Abhängigkeit. Was kannst Du tun, um dann wieder auf eigenen Beinen zu stehen? Das erfährst Du hier.

Es gibt Ehen und Beziehungen, in denen scheinbar alles in Ordnung ist. Tatsächlich begegnen sich die beiden Partner aber nicht auf Augenhöhe: Der eine bestimmt – der andere bleibt in einer emotionalen Abhängigkeit. Meist spielen wir Frauen diese Rolle. Wir geben unsere Eigenständigkeit auf, weil wir denken: Hauptsache, unsere Beziehung bleibt stabil. Wie kannst Du Dich aus so einer emotionalen Abhängigkeit lösen? Hier erfährst Du es.

Abhängig von Menschen

Es klingt seltsam: Aber wir können von Menschen genau so abhängig sein wie von Alkohol, Glücksspiel oder Zigaretten. Wir wollen uns lösen – aber wir können nicht. Wenn in einer Beziehung einer der beiden Partner so gar nicht ohne den anderen kann und wenn diese Bindung nicht auf Gegenseitigkeit beruht, dann sprechen Psychologen von „emotionaler Abhängigkeit“. Und die geht sogar so weit, dass Betroffene überhaupt kein Gefühl mehr für sich selbst haben. Sie stellen ihre eigenen Bedürfnisse zurück, haben kaum noch soziale Kontakte. Sie geben dem Partner recht, obwohl sie anderer Meinung sind – und müssen ständig kontrollieren, was der Partner gerade macht. Sie haben sich selbst buchstäblich aufgegeben. Kein Wunder also, dass besonders Frauen mit geringem Selbstwertgefühl in der emotionalen Abhängigkeit landen. Sie leiden oft unter starken Ängsten oder landen sogar in einer Depression.

Bin ich emotional abhängig, ohne es zu wissen?

Emotionale Abhängigkeit lässt sich nicht so leicht erkennen. Denn so gut wie jeder Mensch sehnt sich nach Nähe. Du verschenkst Dein Herz – und Dein Partner schenkt Dir seines zurück. So etwas nennt man Liebe, und die ist wunderschön. Emotional abhängig werden Menschen dann, wenn immer nur sie geben – und wenn ohne den anderen von ihnen nichts mehr übrig bleibt. Psychologen ermitteln das per Fragebogen. Schau Dir bitte die folgende Liste an. Je häufiger und stärker Du diesen Aussagen zustimmst, desto wahrscheinlicher ist es, dass Du emotional von Deinem Partner abhängig bist.

  1. Wenn mein Partner sich nicht um mich kümmert, habe ich an nichts mehr Freude.
  2. Ich freue mich über Erfolge nur, wenn mein Partner mich dafür lobt.
  3. Meine Freizeit verbringe ich am liebsten mit meinem Partner.
  4. Ich frage meinen Partner immer um Rat, wenn ich ein Problem habe.
  5. Erst durch meine Beziehung bin ich überhaupt etwas wert.
  6. Ohne meinen Partner würde ich gar nichts auf die Reihe kriegen.
  7. Ich finde es ganz schwer, wenn mein Partner den ganzen Tag lang weg ist.

Vielleicht hast Du bei einigen dieser Aussagen genickt und Dich wiedererkannt – bei anderen jedoch nicht. Wenn es mit Deinem Partner einen gleichberechtigten Austausch gibt, wenn Ihr auf Augenhöhe seid, dann besteht kein Grund zur Sorge. Wenn Du Deine Eigenständigkeit aber komplett aufgegeben hast, dann wird es Zeit, Dich wieder selbst zurück in Dein Leben zu holen.

Wie entsteht emotionale Abhängigkeit?

Dafür kann es viele Gründe geben. Bei sehr extremen Fällen vermuten Experten ein Trauma in der frühen Kindheit, etwa ein plötzliches Verlassenwerden von den eigenen Eltern. Dann kann die emotionale Abhängigkeit sogar zu einer Persönlichkeitsstörung werden. Aber keine Sorge: Von hundert Menschen trifft diese Beschreibung höchstens auf einen zu. Sie ist also sehr selten. Häufiger passiert es, dass ein Mensch einen eher schwachen Selbstwert hat. Solche Menschen denken: „Ich bin nichts wert.“ Sie holen sich ihren Selbstwert dann über ihren Partner. Wie der Mond, der nur leuchtet, weil die Sonne ihn anstrahlt. Es ist völlig normal, dass wir uns nach einem Partner sehnen. Aber wenn der Partner alles wird, was uns wertvoll macht, dann haben wir zu viel von uns aufgegeben. Wir fangen an zu klammern, eifersüchtig zu sein auf die Kollegin unseres Partners. Wir schneiden uns „aus Versehen“ in den Finger und lassen uns von ihm versorgen und pflegen. Tja. Jetzt kann er – leider, leider – doch keine Radtour mit seinen Kumpels machen.

Bin ich emotional abhängig, weil mein Partner ein Narzisst ist?

Das klingt einleuchtend. Narzissten – also extrem selbstverliebte Menschen – brauchen ständig Applaus. Ein emotional abhängiger Partner ist für sie das ideale Publikum. Narzissten sind oft auch gut darin, andere zu manipulieren und klein zu machen. Wenn Du dazu neigst, Dich emotional abhängig zu machen, dann lohnt es sich, noch einmal einen Blick auf Deinen Partner zu werfen. Ist er kalt und selbstsüchtig? Hält er sich überall für etwas Besseres? Schikaniert er andere, wo er nur kann? Glaubt er, dass ohne ihn gar nichts läuft? Dann kann es sein, dass Dein Partner narzisstische Züge in sich trägt. Mit der Selbstliebe ist es wie mit der emotionalen Abhängigkeit: Ein wenig davon ist gut für uns. Schädlich werden beide nur, wenn zu viel davon da ist. Im Extremfall ist auch der Narzissmus eine Persönlichkeitsstörung. Aber auch die ist seltener, als viele glauben: Nur etwa einer von 150 Menschen fällt in diese Kategorie.

Emotionale Abhängigkeit lösen

Wie kannst Du Dich aus einer emotionalen Abhängigkeit lösen? Viele glauben: Indem Du Deinen Partner verlässt und Dir eine neue Liebe suchst. Aber das ist ein Irrtum. Häufig landen Betroffene in der nächsten Beziehung nämlich wieder in einer gefühlten Abhängigkeit. Es liegt also eher an uns selbst als an unserem Partner (oder unseren Kindern, denn auch von Kindern können wir emotional abhängig sein). Was also tun? Das beste Mittel gegen emotionale Abhängigkeit ist ein guter Selbstwert. Also das Gefühl, selbst wertvoll zu sein – ganz unabhängig von unserer Rolle als Mutter oder Partnerin. Welche Strategien dafür am besten helfen, das erfährst Du ein einem eigenen Artikel <verlinkung zu Selbstwert>.

Emotionale Abhängigkeit überwinden

Natürlich ist es auch möglich, dass Dein Partner emotional von Dir abhängig ist. Wie kannst Du seine Abhängigkeit überwinden? Indem Du ihn ermutigst, häufiger etwas für sich selbst zu tun. Frag ihn nach seiner Meinung, ohne vorher zu sagen, was Du von einer Sache hältst. Lass ihn Entscheidungen treffen – für sich selbst und für Euch als Paar. Alles, was seinen Selbstwert stärkt, ist gut für ihn. Und damit auch: für Eure Liebe und Eure Beziehung. Sie kann wieder eine Liebe auf Augenhöhe werden. Dasselbe gilt auch für klammernde Kinder. Wir wollen sie stark machen für ihr eigenes Leben. Schließlich können wir sie nicht für immer bemuttern. So können sie lernen, ihre eigenen Entscheidungen zu treffen und eigenständige Menschen zu werden. Genau das ist es, was wir uns als Mütter für sie wünschen.

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